Von schwarzen Schwänen und wie man sich darauf vorbereitet

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Ein schwarzer Schwan: Seltenes Naturphänomen und an der Börse manchmal ein Fiasko. Jedoch nur, wenn man unvorbereitet ist!

Das Jahr 2020 hat in mehrfacher Hinsicht schon Börsengeschichte geschrieben: 2020 war der schnellste Börsencrash in der Geschichte, Ölpreise fielen über Nacht ins Negative und jüngst ging mit Wirecard erstmals ein DAX Konzern pleite. Diese Beispiele sind zwar topaktuell,  blicken wir jedoch noch weiter zurück, Fälle von plötzlichen, rasanten Kurseinbrüchen.

Schwanologie

Einige davon lassen sich als sogenannte „Schwarze Schwäne“ definieren, und zwar wenn sie völlig unvorhersehbar geschehen und extreme Folgen auf bestehende Systeme haben. Schwarze Schwäne können sowohl positiv als auch negativ sein. So sind zum Beispiel sowohl die Entdeckung der antibakteriellen Eigenschaften von Penicillin als auch die Finanzkrise 2008 schwarze Schwäne. Noch ein Kriterium: Im Nachhinein kann man zudem logisch herleiten, warum der Schwan aufgetaucht ist.

Das bedeutet auch, dass die Corona-Krise und Wirecard keine schwarzen Schwäne sind, eine Pandemie ist nämlich ein Ereignis, das irgendwann mit Sicherheit eintritt und bei Wirecard waren fragwürdige Praktiken und Skandale schon im Vorfeld bekannt.

Sich vor einem plötzlichen Crash schützen

Gemeinsam haben solche Ereignisse jedoch eines, ob Schwan oder nicht: Es geht urplötzlich rasant bergab. Um sich vor so etwas zu schützen, benötigt man grundsätzlich einen Stopp Loss. Jedoch kann es auch hierbei vorkommen, dass man durch ein Overnight-Gap nicht zum SL-Kurs ausgeführt wird und dennoch erhebliche Verluste erleidet. Wirklich sicher ist also nur:

Sinnvolle Diversifikation

Gemäß der Regel „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ geht es bei Diversifikation darum, sein Portfolio auf mehreren, voneinander unabhängigen Säulen aufzubauen. Wie geht das?

Damit wir erkennen können, wie sehr verschiedene Instrumente voneinander abhängig sind, müssen wir uns deren Korrelation anschauen. Die Korrelation beschreibt die Bewegung von verschiedenen Finanzinstrumenten zueinander. Eine Korrelation von 1 bedeutet dabei, dass beide Instrumente sich gleichförmig bewegen, 0 bedeutet, dass es keine gleichförmige Bewegung gibt und -1 bedeutet, dass sie sich genau entgegengesetzt bewegen.

Dies kann man an einer sogenannten Korrelationsmatrix ablesen, hier ein Beispiel:

Wie verschiedene Anlageklassen auf Sicht von drei oder zehn Jahren korrelieren, zeigt die Korrelationsmatrix basierend auf Daten von J.P. Morgan Economic Researc.

 

Ein bekanntes Modell für eine negative Korrelation ist zum Beispiel der Gold- und Aktienmarkt: Wenn Aktien fallen, steigt oftmals der Goldpreis.

Im Idealfall kann man also über ein Portfolio verfügen, in welchem die Korrelationen der Vermögensgegenstände so ausgelegt sind, dass insgesamt keine Korrelation mehr vorliegt. Anders ausgedrückt: Theoretisch lässt sich das Marktrisiko (systematisches Risiko) vollständig ausschließen.

Das ist natürlich graue Theorie und ist in der Praxis nicht möglich. Dazu sind die Prämissen zu praxisfern, außerdem beruhen die Korrelationen auf mathematischen Berechnungen aus der Vergangenheit. Es muss daher lange nicht so sein, dass diese auch in Zukunft konsistent sind.

Dennoch: Mit übermäßiger Diversifikation lässt sich Risiko drastisch reduzieren – gleichzeitig aber auch die Rendite.

Wie viel Diversifikation ist nun also sinnvoll?

Ein geringes Risiko ist meist an eine geringe Renditeerwartung geknüpft.

Wenn eine starke Diversifikation im Portfolio also primär der Kapitalerhaltung dient, wird eine Streuung des Kapitals immer wichtiger, desto mehr Geld und Zeit man zur Verfügung hat. Da der sinnvolle Grat von Diversifikation also von letzteren abhängt, sollte man sich im Vorfeld folgende Fragen stellen:

  1. Wie groß ist Dein Depot?
  2. Wie lange ist Dein Anlagehorizont?
  3. Welche Rendite willst Du auf lange Sicht erzielen?
  4. Wie viel Risiko kannst Du ertragen?

Die besten Investoren diversifizieren kaum

Warren Buffett: „Diversifizieren ist ein Schutz gegen Unwissen. Es macht wenig Sinn für diejenigen, die Bescheid wissen.“

Wenn Du Dir die Depots von großen Investoren ansiehst, wirst Du schnell feststellen, dass diese kaum diversifizieren. Sie konzentrieren ihr Kapital auf die besten Gelegenheiten.

Auf der anderen Seite schafft es wirklich nur ein ganz kleiner Bruchteil der Investoren, den Gesamtmarkt zu schlagen – und je mehr Du diversifizierst, desto näher bist Du an der Rendite des Gesamtmarktes.

Fazit

Diversifikation ist sinnvoll, um sein Portfolio effektiv gegen Risiken abzusichern. Auf der anderen Seite führt eine zu starke Diversifikation zu Einbußen bei der Renditeerwartung. Wer mit Stockpicking also den Gesamtmarkt schlagen möchte, verliert mit Diversifikation einen Vorsprung. Wer sich jedoch mit der Rendite des Gesamtmarkts zufrieden gibt, kann mit Hilfe von Korrelationsmatrizes einen sinnvollen Mix für das eigene Portfolio zusammenstellen.

Eine Vielzahl an Instrumenten und Strategien seht ihr in unserem Tradimo-Echtgelddepot angewandt.

Das Thema schwarze Schwäne und Diversifikation wurde auch auf unserem YouTube Kanal in Videoform behandelt.