Das Echtgeldkonto wurde knallhart von einem schwarzen Schwan erwischt. Doch es war nicht allein der schwarze Schwan, der das Konto in die Knie gezwungen hat, sondern Undiszipliniertheit und unglückliche Umstände. In diesem Artikel möchte ich (Matthias Denecke, Trader des Echtgeldkontos) auf alle Umstände im Detail eingehen.

Performance im Echtgeldkonto im Februar und März

Wir starteten in den Februar mit einem Kontostand von $93.193,84 und standen am 31. März bei kläglichen $12.091,81, was einem prozentualen Verlust von 87% entspricht. An dieser Stelle möchte ich eine wichtige Frage vorwegnehmen: Ist das Konto tot? NEIN!

Ursachen, Umstände und Stellungnahme

Der ganze Zusammenbruch des Kontos ist auf nur einen Trade in Kakao zurückzuführen, der in seinen Ausmaßen in einem schwarzen Schwan zu begründen ist.

Was genau ist in Kakao passiert?

Der Kakaopreis erreichte in den letzten Wochen und auch aktuell noch immer neue historische Höchststände, da die beiden Haupterntegebiete in Ghana und in der Elfenbeinküste sehr wenig Angebot auf den Weltmarkt bringen. Das trieb und treibt den Preis ins Unermäßliche. Während das bisherige Hoch in den letzten 50 Jahren gerade einmal bei 3.700 USD lag, so stehen wir aktuell über 10.000 USD.

Unser Trade in Kakao

Wir setzen im Tradimo-Echtgeldkonto aber nicht auf direktionale Trades, versuchen also nicht auf steigende oder fallende Kurse in einem Wert zu setzen. Wir haben die Extremsituation erkannt und wollten davon profitieren, indem wir auf die Preisunterschiede zwischen den Laufzeiten gesetzt haben. Diesen Ansatz verfolge ich bereits seit vielen Jahren. Natürlich wird so ein Spot immer attraktiver, desto größer die Preisunterschiede zwischen den Laufzeiten wird. Aus diesem Grund skaliert man in das Extrem hinein und setzt sich eine absolute Schmerzgrenze. Diese lag bei uns bei 20% Verlust auf die Kontogröße und wurde auch ganz offen an all unsere Mitglieder und Beobachter unserer Livetrades kommuniziert.

Was ist ein schwarzer Schwan?

Ein schwarzer Schwan ist ein extrem seltenes und unerwartetes Ereignis. An der Börse sind dies Ereignisse wie zum Beispiel der negative Ölpreis in 2020, die Aufhebung des Wechselkurses bei 1,20 der Schweizer Nationalbank gegenüber dem Euro 2015 oder der Brexit in 2016. Oftmals erwischt es bei derartigen Ereignissen viele Hedgefunds und wir würden mit unserem (bzw. meinem) Totalversagen sicherlich auch dazu gehören, haben aber das „Glück“, dass keine Investoren ihr Geld abziehen und wir unser Konto schließen müssen.

Aber lasst uns den schwarzen Schwan in Kakao mal in Charts betrachten. Der folgende Chart zeigt den Kakaopries der letzten 45 Jahre:

Kakao

Da wir auf den Preisunterschied setzen, schauen wir uns den gehandelten Spread an. Wir haben uns für September-Dezember entschieden, da wir in diesem Spread noch genug Zeit hatten und auch das Potential am größten war. Bislang waren ab 100 sehr gute Einstiegskurse. 200 war extrem selten. Und 300 war unsere Reißleine, allerdings nur mental und nicht als im Markt platzierten Stopp Loss. Hier das Chartbild zum Spread:

Kakao Spread

Man kann erkennen, dass sich hier unglaubliche Dinge in Gang gesetzt hatten. In der Spitze wurde ein Preisunterschied von fast 1.300 USD erreicht. Und all das in einer ungeheuren Geschwindigkeit. Einfach irre. Aber es ist grundsätzlich ein Fehler nur auf den absoluten Spread (Preisunterschied) zu schauen, denn der wächst natürlich mit steigenden Preisen. Aus diesem Grund betrachtet man das Verhältnis (Ratio), um einen Eindruck vom relativen Preisunterschied zu erhalten. Hier das Chartbild zum Ratio:

Kakao Ratio

In den letzten 40 Jahren wurde einmal das Ratio von 1,05 erreicht. In der absoluten Spitze explodierte das Ratio in 2 Tagen auf über 1,23, das bedeutet, dass der Septemberkontrakt 23% teurer war als der Dezemberkontrakt. Und wir sprechen hier über ein und den selben Rohstoff: Kakao. Und genau das ist ein schwarzer Schwan!

Eigene Fehler & Learnings

Der größte Fehler, der hier passiert ist, ist das Nichteinhalten des mentalen Stopps. Warum habe ich so gehandelt? Oftmals sind diese Bewegungen sehr schnell und irrational, beruhigen sich aber auch genau so schnell wieder und laufen dann in die gewünschte Richtung. So war es in den letzten 15 Jahren, in denen ich derartige Spreads trade. Doch nun hat es mich erwischt und somit leider auch das Tradimo Echtgeldkonto. Zukünftig werde ich diese Spreads mit einem komplett überarbeiteten Money Management handeln, welches sehr widerstandsfähig gegenüber schwarzen Schwänen ist. Wie genau ich in Zukunft vorgehe, werde ich auch in meinem Mentoring-Programm vermitteln. Natürlich wäre all das nicht in diesem Ausmaß passiert, wenn wir einfach einen normalen Stopp Loss gesetzt hätten. Dann hätten wir wahrscheinlich 40% verloren, aber keine 80%.

Andere Umstände

Neben der Undiszipliniertheit keinen Stopp Loss platziert zu haben, kamen leider auch noch andere Umstände hinzu, die die Katastrophe vervollständigten. Kakao ist kein besonders liquider Markt und so kann es vorkommen, das man aus laufenden Trades schlechter rauskommt als geplant. Dies gilt erst recht, wenn man aus Spreads aussteigen möchte und somit gleich 2 verschiedene Kontrakte handeln möchte. Hinzu kommt, dass der Supergau übers Wochenende entstand. Am Montag, den 18. März, eröffnete der Spread mit einer relativ großen Kurslücke nach oben und rannte davon. Selbst mit Marketorders war es fast unmöglich zu einem annehmbaren Kurs rauszukommen. Ich, als Verantwortlicher für das Tradimokonto, war zudem in der Schweiz unterwegs und hatte kein Internet, bekam es also erst verspätet mit. Schlussendlich sind wir aus dem Trade rausgekommen. Und wie sollte es anders sein? Natürlich sind wir fast am Top ausgestiegen.

Bereits im Vorfeld hatte der Broker nachvollziehbarerweise Margin Calls ausgeführt, was aber teilweise so ausgeführt wurde, dass nur eine Seite des Spreads geschlossen wurde, was die Kontoentwicklung noch verschlimmerte. Es kam einfach alles zusammen. Ein absoluter Albtraum!

Wie geht es weiter?

Es geht weiter! Das Konto ist nicht wertlos und ich habe mir als Ziel gesetzt, es bis Jahresende wieder auf 30.000 USD hochzuhandeln. Ziele für 2025 und 2026 sind dann 55.000 USD und 90.000 USD. So könnten wir in 2027 wieder 6-stellig sein. Aufgeben ist keine Option!