Quantitative Easing (QE)

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    Quantitative Easing (QE) ist eine geldpolitische Maßnahme, die von den Zentralbanken durchgeführt wird, um die Wirtschaft zu stimulieren. In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder der Begriff „Helicopter Money“.

    Dabei kauft die Zentralbank Vermögenswerte an. Diese Vermögenswerte sind üblicherweise Staats- , Bank- oder Unternehmensanleihen.

    Im Zuge dieses Ankaufes, schafft die Zentralbank mehr Buchgeld – im Gegenteil zum allseits bekannten Ausdruck „Geld drucken“, druckt sie nicht wirklich physisches Geld.

    Was sind die Vermögenswerte?

    Um zu verstehen, wie QE funktioniert, ist es notwendig zu verstehen, welche Vermögenswerte gekauft werden.

    Regierungen und Banken geben Anleihen heraus, um Geld zu leihen

    Wenn Banken, Unternehmen oder Staaten Geld benötigen, dann können sie „Vermögenswerte“ verkaufen, für gewöhnlich geschieht dies mit Anleihen. Du wirst sehen, dass dies ein einfacher Weg ist, sich Geld zu leihen und als Käufer Geld zu geben.

    Wenn Banken, Unternehmen oder Staaten Geld benötigen, dann können sie „Vermögenswert“ verkaufen, für gewöhnlich geschieht dies mit Anleihen. Wenn eine Institution Anleihen verkauft, dann zahlt sie das geliehene Geld zu einem späteren Zeitpunkt mit Zinsen zurück.

    Der Käufer der Anleihe gibt der Institution Geld und erhält im Gegenzug für den Zeitraum des Haltens der Anleihe eine Rendite (Zins). Der Käufer hält die Anleihe für eine bestimmte Zeit, denn die Laufzeit der Anleihe endet zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft.

    Wenn die Laufzeit abgelaufen ist, zahlt die Institution das Geld zurück. Natürlich würde der Käufer die Anleihe niemals kaufen, wenn es dafür keinen guten Grund gäbe, dieser gute Grund ist der Zins. So betrachtet, macht der Anleihenkäufer einen Gewinn.

    Anleihen sind immateriell – eine Vertragsvereinbarung

    Eine Anleihe ist keine greifbare Sache, es ist lediglich ein Vertrag zwischen zwei Parteien, aber sie können verkauft und gehandelt werden. Wie in einem freien Markt, sind Anleihen Gegenstand von Angebot und Nachfrage, was bedeutet, dass Institutionen mit dem Preis heruntergehen müssen, wenn die Nachfrage zu gering ist. Dies ist gleichzusetzen mit einem höheren Zinssatz. Sofern es eine hohe Nachfrage gibt, kann die Institution den Preis bzw. den Zinssatz zu ihren Gunsten anpassen, d.h. der Preis ist hoch und der Zinssatz niedriger.

    Die „Vermögenswerte“, die die Zentralbank mit elektronisch geschaffenem Geld kauft, sind für gewöhnlich Anleihen von Regierungen, Banken oder Unternehmen.

    Wie auch immer der Zinssatz sein mag, der Verkäufer der Anleihen benötigt Geld, um es in andere Dinge zu investieren, mit denen er einen positiven Erwartungswert verbindet. Je höher der zu zahlende Zinssatz ist, desto größer muss der Erwartungswert der eigenen Investition sein, damit es sich noch lohnt eine Anleihe zu begeben.

    Wenn eine Zentralbank bekannt gibt, dass sie Vermögenswerte kaufen wird, dann wird sie de facto diese Anleihen kaufen. Um es etwas besser zu illustrieren, wenn eine Zentralbank ankündigt, dass sie für $50 Mrd. Quantitive Easing betreiben wird, bedeutet dies nichts anderes, als das sie finanzielle Vermögenswerte im Wert von $50 Mrd. kauft.

    Quantitative Easing soll die Wirtschaft stimulieren

    Für gewöhnlich nutzt die Zentralbank, um die Wirtschaft zu stimulieren, das kraftvollste Werkzeug ihrer Geldpolitik, den Leitzins. Sofern dieser Zinssatz aber bereits das niedrigste vertretbare Niveau erreicht hat, muss die Zentralbank andere Wege beschreiten, QE ist eine davon.

    Quantitative Easing stimuliert die Wirtschaft auf folgendem Weg:

    1. Neues Geld wurde geschaffen und wird zum Kauf von Vermögenswerten von Institutionen verwendet.
    2. Diese Institutionen erhalten dieses Geld und können Investitionen tätigen.
    3. Das zusätzliche Geld im Markt erhöht das Angebot.
    4. Die Preise der Vermögenswerte steigen unter dem neuen Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage und deren Zinssatz (der den Käufern gezahlt wird) sinkt.
    5. Institutionen beginnen Vermögenswerte von anderen Institutionen zu kaufen, um von der weiteren Erhöhung der Preise zu profitieren.
    6. Aufgrund des weniger gezahlten Geldes (niedrigerer Zins), können die Institutionen mehr Geld in Investitionen stecken oder mehr Geld für andere Dinge ausgeben.

    Niedrigere Renditen auf Vermögenswerte bedeuten auch niedrigere Zinsen bei Kreditaufnahmen insgesamt

    Wenn Zentralbanken einen substanziellen Anteil an Vermögenswerten aufkaufen, dann tragen sie dazu bei, dass der Preis steigt und die zu zahlenden Zinsen sinken. Das bedeutet, dass Verkäufer mehr Geld für Investitionen und andere Ausgaben haben.

    Wenn die Rendite dieser Anleihen in der Wirtschaft fallen, dann ergibt sich daraus ein klarer Vorteil für alle, denn sie müssen weniger Zinsen für aufzunehmende Kredite zahlen. Somit sinken die Kosten, wenn man sich Geld leihen möchte.

    Das ist deshalb so, weil die Institutionen nun weniger Renditen zahlen müssen. Mit dem zusätzlichen Geld, was die Institutionen nun haben, können sie neue Investitionen tätigen oder das Geld anderweitig, z.B. in neues Personal, investieren. Im Allgemeinen kaufen sie andere Vermögenswerte mit der Absicht durch dieses Investment zu wachsen.

    Die Unternehmen, die sich Geld leihen, wie Banken von anderen Finanzinstituten, haben nun die Möglichkeit, sich mehr Geld zu leihen, weil der Zinssatz niedriger ist.

    Wenn du an einen einzelnen Kredit denkst, der von einer Bank an einen Kunden zu einem bestimmten Zins (fest oder variabel) vergeben wird, dann stellt dieser Kredit ein Finanzprodukt dar. Die Bank verkauft also einen Kredit. Was die Zentralbank effektiv mit QE bewirkt, ist, dass sie die Finanzprodukte für die Wirtschaft günstiger macht und somit das Angebot ausweitet – sobald das Angebot von etwas ansteigt, fällt der Preis.

    Natürlich sind die Banken nicht gezwungen, Kredite zu einem geringeren Zins herauszugeben, denn sie können Kredite quasi zu jedem beliebigen Zinssatz vergeben. Das Hauptgeschäft sehr vieler Banken ist jedoch das Kreditgeschäft, d.h. sie haben ein starkes Eigeninteresse daran, Kredite zu verkaufen und somit auch attraktive Angebote zu haben. Da so alle Banken denken, stehen sie im Wettbewerb zueinander, was dazu führt, dass der Zinssatz niedrig sein wird.

    In der Theorie ist der niedrigere Zins das, was die Kunden einer Bank von QE am wahrscheinlichsten wahrnehmen.

    Niedrigere Kreditkosten fördern Ausgaben und stimulieren die Wirtschaft

    Wenn die Kosten für Kreditaufnahmen sinken, leihen Kunden und Unternehmen mehr Geld und/oder kaufen mehr Güter. Das folgende – sehr rudimentäre – Beispiel erklärt, wie es funktioniert.

    Wenn die Kreditkosten sinken, leihen sich die Menschen mehr Geld und fördern durch ihre Ausgaben die Wirtschaft.

    Sagen wir als Beispiel, je mehr Transporter du für deinen Lieferservice hast, desto besser kann das Geschäft wachsen. Betrachten wir einen Kredit über $20.000, um einen Transporter zu kaufen. Dabei entstehen monatliche Kosten von $250. Wenn die Kosten für diesen Kredit um die Hälfte fallen, könntest du auch einen Kredit in Höhe von $40.000 aufnehmen und du hättest die gleichen Kosten von $250. Somit kaufst du eventuell 2 Transporter, damit dein Geschäft schneller wächst.

    Mehr Ausgaben führen zu Inflation

    Die vermehrten Ausgaben und Investitionen sind auf einer breiten Front in der Wirtschaft zu beobachten und beeinflussen die Güterpreise, indem sie allmählich beginnen zu steigen. Somit steigt auch die Inflation. Das ist entweder ein gutes oder ein schlechtes Zeichen und hängt davon ab, wie hoch die Inflation ist.

    Zentralbanken werden QE in der Regel nur dann einleiten, wenn die Gefahr einer Deflation besteht. Deflation ist schlecht für eine Wirtschaft, da sie dazu führt, dass Menschen und Unternehmen keine Ausgaben und Investitionen tätigen.

    Allgemein gilt, dass ein geringer Grad an Inflation gut für die Wirtschaft ist, weil sie Ausgaben und Investitionen fördert. Wenn Preise steigen, dann sind Investitionen lohnend, weil sie eine zukünftige Rendite in Aussicht stellen. Wenn die Preise nicht steigen, dann ist es sinnvoller das Geld zu halten, anstatt es zu investieren, u.U. steigt das Geld im Zeitverlauf sogar im Wert.

    Somit sollte sich als direktes Ergebnis von QE Inflation einstellen und Zentralbanken werden QE einsetzen, wenn sie daran glauben, dass die Gefahr der Deflation besteht.

    Demnach kannst du erkennen, dass QE den selben Effekt haben sollte, wie ein niedrigerer Zinssatz, kann allerdings noch angewendet werden, wenn der Zinssatz bereits auf dem nierdigsten noch zu vertretenden Niveau angelang ist.

    Die Debatte um QE

    Quantitative Easing und deren Vorteile werden in Bezug auf die tatsächlichen Auswirkungen und das genaue Ausmaß stark diskutiert und es ist zu bedenken, dass die Theorie aus den Lehrbüchern in der Praxis auf dem Prüfstand steht.

    Als Beispiel wird immer wieder die Tatsache erwähnt, dass in der Krise 2008 QE nicht zu einer Stimulierung der Wirtschaft geführt hat, aber die großen Banken in die Situation kamen, dass sie die Verluste aus den Subprime Spekulationen mit Hilfe von QE zu ihren eigenen Nutzen für die Bilanzen günstig rekapitalisieren konnten. Demnach kam es eben nicht zu der fördernden Kreditvergabe an die Wirtschaft, sondern die Banken saugten das billige Geld für sich selbst auf, um die Verluste besser zu absorbieren.